Schriftlose Vergangenheiten. Der Umgang historisch arbeitender Gelehrter und WissenschaftlerInnen mit nicht schriftlich dokumentierten Geschehnissen

16.03.-18.03.2016, Tagung, DHI Paris

Im Mittelpunkt der Tagung steht die Frage, wie historisch arbeitende Gelehrte und WissenschaftlerInnen – von der Frühen Neuzeit bis in unsere Gegenwart – mit stummen, „schriftlosen Vergangenheiten“ umgingen bzw. umgehen und welche Geschichten sie darüber erzählten oder noch heute verfassen. Unter dem Ausdruck „schriftlose Vergangenheiten“ werden hier sowohl Ereigniskomplexe als auch Kulturen oder Akteure subsumiert, die kein schriftliches Zeugnis hinterlassen haben bzw. über die keine schriftlichen Dokumente tradiert worden sind. Dies kann gleichsam für die allgemeine Menschheitsgeschichte vor der Verwendung der Schrift wie auch für besondere Menschengruppen gelten, die über ihre gegenwärtige und vergangene Kultur absichtlich oder unabsichtlich nichts Schriftsprachliches hinterlassen haben. Es handelt sich somit um Grenzfelder der historischen Forschung, die historisch arbeitende WissenschaftlerInnen immer wieder herausforderten und noch heute herausfordern. Dies trifft besonders zu, wenn man bedenkt, dass die Schriftlichkeit der Quellen immer wieder als Abgrenzungskriterium von „Geschichte“ als Forschungsfeld und als Wissenschaft angewandt wurde. Die Schrift als Trennungsfaktor zwischen der Vorgeschichte und der Geschichte anzunehmen, den wissenschaftlichen Standard ausschließlich der historischen Arbeit, die auf Schriftquellen beruht zu zuerkennen, die schriftlosen Kulturen als geschichtslose Gemeinschaften abzuwerten etc., all dies sind Beispiele dafür, wie eng das Schreiben von Geschichte mit der Frage der Schriftlichkeit zusammenhängt.

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