Paris, Berlin and the Orient

Öffentlicher Vortrag, DFK Paris

Im Rahmen des Themas "Paris, Berlin and the Orient. Museums, Politics and the Making of Cultural Heritage around 1900" hält Eva-Maria Troelenberg, vom Kunsthistorischen Institut – Max Planck Institut Florenz, den Vortrag "Art, Material Culture and Privileges of Interpretation: Arts of Islam in Berlin and Paris, ca. 1900". Abstract: In der Dekade nach 1900 wurden sowohl in Paris als auch in Berlin erstmals islamische Museumsabteilungen eingerichtet: Gleichzeitig mit dem Kaiser-Friedrich-Museum öffnete in der preußischen Hauptstadt die "Persisch-Islamische Abteilung" im Jahre 1904 ihre Tore, mit einer Sammlungsanordnung rund um die monumentale Mshatta Fassade, die Ottoman Sultan Kaiser Wilhelm II als diplomatisches Geschenk offeriert hatte und als Symbol eines impliziten Imperialismus im Mittleren Osten interpretiert wurde. Im Jahr darauf wurde im Pavillon de Marsan des Louvre die Abteilung "art musulman" eröffnet, ein Schritt, der im Lichte einer Gegenbewegung zur Kolonialgeschichte Frankreichs gesehen werden sollte. Der Vortrag wird die teilweise gegenstrebenden aber auch verbindenden Sammlungs- und Ausstellungsstrategien ebenso vorstellen, wie führende Kuratoren und methodische Ausrichtungen innerhalb des kulturellen und politischen Klimas bis zum Ersten Weltkrieg.

Im Anschluss hält Michael Falser, Universität Heidelberg/DFK einen Vortrag mit dem Titel "Translating Architecture. Plaster Casts of Angkor Wat for the Museum Collections in Paris and Berlin, ca. 1900". Abstract: Um 1900 gehörten die Tempel von Angkor noch zu siamesischem Hoheitsgebiet. Die Tempelanlage als Teil des eigenen Kulturerbes in Frankreich zu "re-präsentieren" schien der geeigneter Weg, um Frankreichs Ansprüche an der historischen Anlage Angkors im Rahmen der "mission civilisatrice" in Indochina zu propagieren. Natürlich war ein Transport der riesigen Bauwerke unmöglich, doch mithilfe von Abgüssen konnten die Tempel Angkors in die französische Hauptstadt ‚transferiert‘ werden. Im Zuge von Louis Delaportes Projekt, ein Indochina-Museum im Palais du Trocadéro einzurichten, bildete die Tempelarchitektur Angkors schließlich als hybrider Pavillon aus Gipsabgüssen den Grundstein der französischen Universal- und Kolonialausstellung. Zugleich war das Interesse an Angkor nicht nur in Frankreich beheimatet, und so wurde schließlich die vollständigste Darstellung des berühmten Reliefs von Angkor Wat im Berliner Völkerkundemuseum ausgestellt. In ihrer Darstellungsweise konnten die in Frankreich und Deutschland präsentierten Bauten aus Angkor kaum gegensätzlicher sein, indem sie die jeweils unterschiedlichen imperialistischen Interessen an der Kultur der Khmer offenbaren.
Vorträge in englischer Sprache.

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